Was ein Punkt alles kann
Dr. Barbara J. Scheuermann - erschienen im Katalog Punkt.Systeme - Wilhelm Hack Museum - Ludwigshafen - 2012
{...} Boese belässt es dann jedoch nicht bei den kühlen Gittermustern, sondern nimmt diese als Ausgangsbasis für die weitere Bearbeitung des Malgrundes, so zum Beispiel in dem Gemälde lateral, in dem die ersten drei vertikalen Reihen links teilweise abgeschabt sind, oder, radikaler, in resíduo, auf dem gleich ein Großteil des türkis-hellroten Rasters mit dem Bandschleifer weggeschliffen worden und nur noch ein vergleichweise kleines, ausgefranstes Feld übrig geblieben ist. {...}
The Trouble with painting
Susanne Prinz - erschienen im Einzelkatalog Monomodul - Raum für Kunst - Aachen - 2011
{...} Kreis und Rechteck, beides Figuren großer Symmetrie, sind in Boeses Arbeiten in einem Zustand der Krise. Sie wurden durch einen simplen mechanischen Eingriff aus der einfachen Flächengeometrie in die komplizierte Welt der Fraktale gestoßen. Chaos tritt an Stelle der den Gesetzen der Flächengeometrie gehorchenden Wiederholung und öffnet die Tür zu wahrnehmungsphysiologischer Uneindeutigkeit. Vorder- und Hintergrund finden sich plötzlich auf der gleichen Bildebene wieder, weil das durch die Lücken der zerrütteten Strukturen drängende Weiß des Papiers Motiv und Raum in Eins fallen lässt. {...}
Monografien
- Monomodul Herausgeber: Raum für Kunst, Aachen 2011; Essay: Susanne Prinz
- Grids and Grooves Herausgeber: Galerie MARS, Berlin 2008; Essay: Susanne Prinz
- One Herausgeber Galerie Nord / Kunstverein Tiergarten, Berlin 2005; Essay: Dr. Friedrike Hauffe
Sammelkataloge
- Punkt.Systeme - vom Pointillismus zum Pixel Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen, Kehrer Verlag, Berlin/Heidelberg 2012
- Prolog 9 Heft für Zeichnung und Text, Berlin 2012
- Premi de Pintura International Guasch Coranty Edition der Fundació Guasch Coranty, Barcelona 2008
- Galerie Weisser Elefant 1987 - 2007 Galerie Weisser Elefant, Berlin 2007
- The Art of Drive and Control Kunstwettbewerb der Bosch Rexroth AG, Würzburg 2007
- La intimidad y el distanciamiento Museo de Arte de El Salvador, San Salvador 2007
- Große Kunstausstellung Villa Kobe, Kunst Halle e.V., Halle, 2004
Lebenslauf
- 1972   geboren in Beira, Mosambik
- 1993 - 1997 Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste Maastricht, Niederlande
- 1998 - 2001 Studium am Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin
- lebt in Berlin
Förderungen / Nominierungen
- 2013 Zuschuss im Bereich internationaler Kulturaustausch von der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten Berlin
- 2012 Nominierung zum Christine-Perthen-Preis für Radierung durch die Berlinische Galerie, Berlin
- 2011 Ankauf durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie für die Berliner Kunstsammlungen
- 2010 Atelierbesuch von der Förderkomission Bildende Kunst der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten Berlin
- 2009 Förderfläche für Künstler, Contemporary Art Ruhr, Essen
- 2006 Nominierung zum Gasag-Kunstpreis, Berlin
Kuratorische Projekte
- 2012 Gründung von Edition Norm - Verlag für essentielle Kunst GbR, mit Pierre Juillerat
- 2009 Konzept und Organisation der Ausstellung Farbe Konkret, mit Elisabeth Sonneck
- 2009 Konzept und Organisation der Ausstellung Dickes B.
Bilder in öffentlichen Sammlungen
- Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
- Museum Folkwang Essen, Grafische Sammlung
- Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, CH
- Sammlung der Bosch Rexroth AG, Lohr am Main
- Sammlung Golden Tulip Hospitality Group, Berlin
- Sammlung der Danish Oil & Nature Gas, Kopenhagen, DK
Einzelausstellungen (Auswahl)
- 2012 4 Blätter, quadratisch geordnet, Position variabel Galerie Manière Noire, Berlin
- 2011 Monomodul Raum für Kunst, Aachen
- 2010 Grids and Grooves Galerie Geymüller, Essen
- 2008 Motive Galerie MARS, Berlin (mit A. Grob)
- 2007 269 Farben und Interferenzen Galerie Scotty Enterprises, Berlin
- 2006 Keine Gewissheit für die Augen Galerie Weisser Elefant, Berlin (mit E. Sonneck)
Gruppenausstellungen (Auswahl)
- 2013 Kunst jetzt draußen! Projekt im öffentlichen Raum, Kunstverein Tiergarten, Berlin (Juni)
- From Berlin to Leiden - Balzer, Boese, Juillerat, Stäglich IS-projects, Leiden/NL
- Transition Leipzig International Art Programme, Leipzig
- Light Space Projects Phayao, Thailand
- 2012 Punkt.Systeme Wilhelm Hack Museum, Ludwigshafen
- Preview Berlin Koje Galerie Manière Noire, Berlin
- Prolog 9 Kunststiftung Poll, Berlin
- 6th International Printmaking Biennial of Douro Auditorium Alijó, Portugal
- Miniature by Serendipity Babette, Berlin
- Buch + Art, Leipziger Buchmesse Galerie Manière Noire, Berlin
- Supermarket Artfair Stockholm Koje Rosalux, Berlin
- 2011 A Prospective Get Together Kuiperdomingos Projects, Berlin
- Ortstermin Kunstverein Tiergarten, Berlin
- 2010 Zeit Fehlgeschlagen Kunstraum Kreuzberg, Berlin
- André Evard Kunstpreis der Messmer Foundation Kunsthalle Messmer, Riegel
- 2009 Farbe Konkret Kunstverein Tiergarten, Berlin
- Dickes B. Carlsberg Byen, Kopenhagen
- contemporary art ruhr Förderfläche für Bildende Künstler, Essen
- 2008 Guasch Coranty International Painting Award Centre Cultural Metropolitá, Barcelona
- Intimität und Entfremdung Museo Para La Identidad Nacional, Tegucigalpa, Honduras
- 2007 The Art of Drive and Control Kunstwettbewerb der Bosch Rexroth AG, IHK Würzburg
- Intimität und Entfremdung Museo de Arte de El Salvador, San Salvador
Kontakt:
pmbx(at)gmx.netImpressum
Verantwortlich im Sinne von § 6 MDStV: Pedro Boese, BerlinDas graphische und technische Konzept sowie die Codierung erfolgte durch:
zone5berlin.de photo|graphic|design© 2008-2013 Pedro Boese und Jörg Burggraf / Berlin
Urheberrecht:
Alle auf www.pedroboese.de enthaltenen Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
Alle Rechte sind vorbehalten.
Aus der Veröffentlichung kann nicht geschlossen werden, dass die gezeigten Bilder oder verwendeten Bezeichnungen / Texte frei von gewerblichen
Schutzrechten Dritter sind. Reproduktion, gleich welcher Art, ob gedruckt oder als Erfassung in Datenverarbeitungsanlagen, sind nur mit schriftlicher
Genehmigung von Pedro Boese erlaubt. Nicht von Pedro Boese autorisierte Reproduktionen werden in Rechnung gestellt. Bei Zuwiderhandlung
behält sich der Anbieter das Einlegen von Rechtsbehelfen vor.
Haftungsbeschränkung:
Die Inhalte dieser Website werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt.
Der Anbieter übernimmt jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte und externen Links.
Der Anbieter distanziert sich ausdrücklich von allen Inhalten externer Links.
Links:
Vera Hilger, moderne Landschaftsmalerei zeitgenössische Malerei
Pedro Boese bei Artnews.org
Künstler Ulrich Jansen, Fotografie zeitgenössische Kunst
The Saatchi Gallery - Zeitgenössiche Kunst in London
Mechtild Beckmann - Zeitgenössiche Kunst in Berlin
Konkrete Malerei, Michael Krupp / Aachen
Kuratorin: Susanne Prinz, Berlin
Grids and Grooves
Pedro Boese ist ein abstrakter Maler, dessen Bilder einfache unverwechselbare Formen zeigen.
Seine Motive beschränken sich auf ein begrenztes Vokabular aus verschieden getönten Kreisscheiben, die nachvollziehbaren Ordnungsprinzipien folgend, streng geometrisch strukturiert werden. Die banal an vertikalen und horizontalen Bildachsen orientierten Punkte komponiert Boese in immer neuen rhythmischen Variationen. Es entstehen Reihen und Schachbretter, vollständige Gitter und solche, die das ihnen zugrunde liegende Raster kaum mehr erahnen lassen.
Der Farbauftrag hingegen - alle 16 Leinwände variieren im erweiterten grauchromatischen Feld – kontrolliert den Grad möglicher Raumillusion seiner tektonisch, stereometrischen Bilder. Folgerichtig wirken die Beziehungen der einzelnen Elemente in dem so entstehenden Bildraum weniger gemalt, denn zusammengesetzt.
Die beiden Prinzipien seiner Bildproduktionen - formale, strenge Bildarchitektur und luzider Farbauftrag mit starker räumlicher Wirkung – scheinen einander zunächst auszuschließen. Tatsächlich werden die Bedingungen des Malens - der klassische Widerspruch von Bild- und Realraum, die Wirkung von Form und Farbe – hinsichtlich ihrer Gültigkeit für eine zeitgenössische Bildproduktion nochmals grundsätzlich in Frage gestellt.
Diese Synthese aus rationaler Ordnung und sinnlich erfahrbarer Farbschichten ist nicht als Konfrontation sondern als dialektischer Beitrag zum Diskurs über die unumgängliche Illusion von Räumlichkeit, selbst in vollkommen monolithisch bemalten Bildflächen, die vor allem die europäische Kunst mehr oder weniger offensichtlich bestimmt, seit sie sich auf die Ideen des Idealismus einließ. Unter diesem Blickwinkel erscheint die Malerei von Pedro Boese wie eine Reflektion internationaler Moderne auf sich selbst.
Insofern hat Ad Reinhardts radikales Statement: „Kunst ist Kunst und alles andere ist alles andere“ natürlich noch immer Gültigkeit.
Allerdings begreift Boese das vor fast vierzig Jahren Formulierte in seinem Kontext, als im Fahrwasser des Abstrakten Expressionismus die Rezeption nichtgegenständlicher Kunst vorwiegend über die Konstruktion transzendenter Wahrheiten jenseits des Werks funktionierte. Reinhardt forderte Aufmerksamkeit für die Kunst als solche und ihre Freiheit von Mystizismus, Sozialismus, Nationalismus und was der –ismen noch mehr war.
Da das Werk sich Anfang der 60er Jahre ohnehin aufzulösen begann und von Objekten einfacher, dinghafter Existenz ersetzt wurde, die statt von individueller Handschrift von spezifische Materialien und deren Oberflächencharakter und Konsistenzen bestimmt war, erreichte die Abstraktion eine neue Dimension, in der auch illusionistische Elemente ausgedient hatten. Gleichzeitig sollte der Autor – wie etwa bei John Cages Zufallsmusiken – im Werk aufgehen, seine Herrschaftsposition zugunsten eines systemischen, quasi automatischen Verfahrens aufgeben, wie es sich auch in Boeses Lochschablonen spiegelt, die er für seine Leinwände benutzt. Souverän nutzt Boese den Abstand von vier Jahrzehnten, befreit quasi Donald Judds primary structures und unitary forms aus der Erstarrung eines aller Erkenntnistheorie skeptisch gegenüber stehenden Empirismus und schafft einen idealen Raum für sie, der keine metaphysische Fluchtwelt sein will, sondern realer Bildraum.
Gleichzeitig gibt der Künstler Kompetenz an Betrachter und serielles Werk ab.
Er dezentralisiert sozusagen das Subjekt, zieht sich selbst auf das minimale Variieren des Rhythmus zurück, und pflegt äußerst sparsame malerische Techniken. Tatsächlich ist es exakt diese gleichzeitige Ermächtigung von Betrachter und Objekt, die zu einer eigenständigen Position innerhalb der seit der Aufklärung virulent geführten Diskussion über den Charakter ästhetischer Wahrnehmung führt.
Zeitgenössische Abstraktion, wie sie von Pedro Boese verstanden wird, kann und will sich in diesem ideologischen Streit nicht mehr einengen lassen. Sie kennt ihre Wurzeln, weiß um die historischen künstlerischen Positionen beiderseits des Atlantik und verschließt sich auch außereuropäischen Vorstellungen nicht.
So vermitteln die grauen Bilder der Grids and Grooves, deren Schönheit ihren Ursprung in der Gleichzeitigkeit von Geometrie und Ordnung, Einfachheit und Wiederholung, in Ernsthaftigkeit, Disziplin, Harmonie und Statik, Logik und Transzendenz hat, keine eindeutig bestimmte Botschaft. Sie sind offen für die vielfältigsten Erinnerungen, manche Bilder beunruhigen, einige sind extrem rational und bleiben distanziert, aber als Serie gelangen sie zu einer möglicherweise anhaltenden Synthese.
Susanne Prinz