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Bei genauer Betrachtung wird aber schnell deutlich, dass die fein geschliffenen und abgeschabten Bildoberflächen von Pedro Boese weniger von Distanz als von großer Nähe zur Malerei und dem Ringen darum erzählen, der Fläche neue Dimensionen einzuschreiben. Insofern könnte man den körperlichen Einsatz, der mit den Eingriffen auf den Bildplatten verbunden ist, auch als psychologisch motivierten Versuch interpretieren, sich dem Klammergriff der Geschichte zu entziehen. Sie brachte schließlich nicht nur die Gesetze der Malerei hervor sondern auch das Prinzip Avantgarde, die Vorstellung also, dass der Mensch sich immer neu erfinden könne, ja als Künstler sogar müsse. {...}Essay von Susanne Prinz erschienen im Ausstellungskatalog Monomodul. Herausgeber: Raum für Kunst, Aachen, 2011
Lebenslauf
- 1972   geboren in Beira, Mosambik
- 1993 - 1997 Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste Maastricht (Niederlande)
- 1998 - 2001 Studium am Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin
- 2000 - 2002 bei Prof. Lothar Baumgarten hospitiert, UdK Berlin
- lebt und arbeitet in Berlin
Förderungen / Nominierungen
- 2011 Förderung durch die Senatskanzlei-Kulturelle Angelegenheiten, Berlin
- 2010 Atelierbesuch der Förderkommission Bildende Kunst, Senatskanzlei-Kulturelle Angelegenheiten, Berlin
- 2009 Förderfläche für Künstler, Contemporary Art Ruhr, Essen
- 2006 Nominierung zum Gasag-Kunstpreis, Berlin
Bilder in öffentlichen Sammlungen
- Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
- Museum Folkwang Essen, Grafische Sammlung
- Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, CH
- Sammlung der Bosch Rexroth AG, Lohr am Main
- Sammlung Golden Tulip Hospitality Group, Berlin
- Sammlung der Danish Oil & Nature Gas, Kopenhagen, DK
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen (E), Gruppenausstellungen (G)
- 2012 6th International Printmaking Biennial of Douro Portugal (G) Sept.- Oct.
- Miniature by Serendipity Bar Babette, Berlin (G)
- Buch + Art, Leipziger Buchmesse Galerie Maniére Noire, Leipzig (G)
- Supermarket Artfair Projektraum Rosalux, Stockholm (G)
- 2011 Monomodul Raum für Kunst, Aachen (E)
- A Prospective Get Together Kuiperdomingos Projects, Berlin (G)
- Ortstermin Kunstverein Tiergarten, Berlin (G)
- 2010 Grids and Grooves Galerie Geymüller, Essen (E)
- Zeit Fehlgeschlagen Kunstraum Kreruzberg/Bethanien, Berlin (G)
- André Evard Kunstpreis der Messmer Foundation Kunsthalle Messmer, Riegel (G)
- 2009 Farbe Konkret Galerie Nord/Kunstverein Tiergarten, Berlin (G)
- Dickes B. zeitgenössische Kunst aus Berlin cph-artfactory, Kopenhagen (G)
- contemporary art ruhr Förderfläche für bildende Künstler, Essen (G)
- 2008 Motive Galerie MARS, Berlin (E mit A. Grob)
- Intimität und Entfremdung Museo Para La Identidad Nacional, Tegucigalpa, Honduras (G)
- Guasch Coranty International Painting Award Centre Cultural Metropolitá, Barcelona (G)
- 2007 269 Farben und Interferenzen Galerie Scotty Enterprises, Berlin (E)
- Intimität und Entfremdung Museo de Arte de El Salvador, San Salvador (G)
- The Art of Drive and Control Kunstwettbewerb der Bosch Rexroth AG, IHK Würzburg (G)
- 2006 Keine Gewissheit für die Augen Galerie Weisser Elefant, Berlin (E mit E. Sonneck)
Bibliografie
Monografien
- Monomodul Herausgeber: Raum für Kunst, Aachen 2011; Essay von Susanne Prinz
- Grids and Grooves Herausgeber: Galerie MARS, Berlin 2008; Essay von Susanne Prinz
- One Herausgeber Galerie Nord / Kunstverein Tiergarten, Berlin 2005; Essay von Dr. Friedrike Hauffe
Sammelkataloge
- Premi de Pintura International Guasch Coranty Edition der Fundació Guasch Coranty, Barcelona 2008
- Galerie Weisser Elefant 1987 - 2007 Galerie Weisser Elefant, Berlin 2007
- The Art of Drive and Control Kunstwettbewerb der Bosch Rexroth AG, Würzburg 2007
- La intimidad y el distanciamiento Museo de Arte de El Salvador, San Salvador 2007
- Große Kunstausstellung Villa Kobe, Kunst Halle e.V., Halle, 2004
Projekte
- 2012 Gründung von Edition Norm - Verlag für essentielle Kunst GbR (mit Pierre Juillerat)
- 2009 Konzeption und Organisation der Gruppenausstellung Farbe Konkret (mit Elisabeth Sonneck)
- pmbx(at)gmx.net
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Pedro Boese, Berlin
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zone5 Berlin photo|graphic|design© 2008-2011 Jörg Burggraf und Pedro Boese / Berlin
Links:
Vera Hilger, moderne Landschaftsmalerei zeitgenössische Malerei
Pedro Boese bei Artnews.org
Künstler Ulrich Jansen, Fotografie zeitgenössische Kunst
The Saatchi Gallery - Zeitgenössiche Kunst in London
Mechtild Beckmann - Zeitgenössiche Kunst in Berlin
Konkrete Malerei, Michael Krupp / Aachen
Kuratorin: Susanne Prinz, Berlin
Grids and Grooves
Pedro Boese ist ein abstrakter Maler, dessen Bilder einfache unverwechselbare Formen zeigen.
Seine Motive beschränken sich auf ein begrenztes Vokabular aus verschieden getönten Kreisscheiben, die nachvollziehbaren Ordnungsprinzipien folgend, streng geometrisch strukturiert werden. Die banal an vertikalen und horizontalen Bildachsen orientierten Punkte komponiert Boese in immer neuen rhythmischen Variationen. Es entstehen Reihen und Schachbretter, vollständige Gitter und solche, die das ihnen zugrunde liegende Raster kaum mehr erahnen lassen.
Der Farbauftrag hingegen - alle 16 Leinwände variieren im erweiterten grauchromatischen Feld – kontrolliert den Grad möglicher Raumillusion seiner tektonisch, stereometrischen Bilder. Folgerichtig wirken die Beziehungen der einzelnen Elemente in dem so entstehenden Bildraum weniger gemalt, denn zusammengesetzt.
Die beiden Prinzipien seiner Bildproduktionen - formale, strenge Bildarchitektur und luzider Farbauftrag mit starker räumlicher Wirkung – scheinen einander zunächst auszuschließen. Tatsächlich werden die Bedingungen des Malens - der klassische Widerspruch von Bild- und Realraum, die Wirkung von Form und Farbe – hinsichtlich ihrer Gültigkeit für eine zeitgenössische Bildproduktion nochmals grundsätzlich in Frage gestellt.
Diese Synthese aus rationaler Ordnung und sinnlich erfahrbarer Farbschichten ist nicht als Konfrontation sondern als dialektischer Beitrag zum Diskurs über die unumgängliche Illusion von Räumlichkeit, selbst in vollkommen monolithisch bemalten Bildflächen, die vor allem die europäische Kunst mehr oder weniger offensichtlich bestimmt, seit sie sich auf die Ideen des Idealismus einließ. Unter diesem Blickwinkel erscheint die Malerei von Pedro Boese wie eine Reflektion internationaler Moderne auf sich selbst.
Insofern hat Ad Reinhardts radikales Statement: „Kunst ist Kunst und alles andere ist alles andere“ natürlich noch immer Gültigkeit.
Allerdings begreift Boese das vor fast vierzig Jahren Formulierte in seinem Kontext, als im Fahrwasser des Abstrakten Expressionismus die Rezeption nichtgegenständlicher Kunst vorwiegend über die Konstruktion transzendenter Wahrheiten jenseits des Werks funktionierte. Reinhardt forderte Aufmerksamkeit für die Kunst als solche und ihre Freiheit von Mystizismus, Sozialismus, Nationalismus und was der –ismen noch mehr war.
Da das Werk sich Anfang der 60er Jahre ohnehin aufzulösen begann und von Objekten einfacher, dinghafter Existenz ersetzt wurde, die statt von individueller Handschrift von spezifische Materialien und deren Oberflächencharakter und Konsistenzen bestimmt war, erreichte die Abstraktion eine neue Dimension, in der auch illusionistische Elemente ausgedient hatten. Gleichzeitig sollte der Autor – wie etwa bei John Cages Zufallsmusiken – im Werk aufgehen, seine Herrschaftsposition zugunsten eines systemischen, quasi automatischen Verfahrens aufgeben, wie es sich auch in Boeses Lochschablonen spiegelt, die er für seine Leinwände benutzt. Souverän nutzt Boese den Abstand von vier Jahrzehnten, befreit quasi Donald Judds primary structures und unitary forms aus der Erstarrung eines aller Erkenntnistheorie skeptisch gegenüber stehenden Empirismus und schafft einen idealen Raum für sie, der keine metaphysische Fluchtwelt sein will, sondern realer Bildraum.
Gleichzeitig gibt der Künstler Kompetenz an Betrachter und serielles Werk ab.
Er dezentralisiert sozusagen das Subjekt, zieht sich selbst auf das minimale Variieren des Rhythmus zurück, und pflegt äußerst sparsame malerische Techniken. Tatsächlich ist es exakt diese gleichzeitige Ermächtigung von Betrachter und Objekt, die zu einer eigenständigen Position innerhalb der seit der Aufklärung virulent geführten Diskussion über den Charakter ästhetischer Wahrnehmung führt.
Zeitgenössische Abstraktion, wie sie von Pedro Boese verstanden wird, kann und will sich in diesem ideologischen Streit nicht mehr einengen lassen. Sie kennt ihre Wurzeln, weiß um die historischen künstlerischen Positionen beiderseits des Atlantik und verschließt sich auch außereuropäischen Vorstellungen nicht.
So vermitteln die grauen Bilder der Grids and Grooves, deren Schönheit ihren Ursprung in der Gleichzeitigkeit von Geometrie und Ordnung, Einfachheit und Wiederholung, in Ernsthaftigkeit, Disziplin, Harmonie und Statik, Logik und Transzendenz hat, keine eindeutig bestimmte Botschaft. Sie sind offen für die vielfältigsten Erinnerungen, manche Bilder beunruhigen, einige sind extrem rational und bleiben distanziert, aber als Serie gelangen sie zu einer möglicherweise anhaltenden Synthese.
Susanne Prinz